Bewertungssystem
Nr. 3.6 ist von Nr. 3.7 sauber abzugrenzen. Besonders wichtig ist die Frage, ob tatsächlich psychotische Symptomatik bzw. ein schizophrenes Residual oder eine affektive Psychose im Sinne der VMG nachgewiesen ist. Eine bloße Diagnosebezeichnung genügt nicht.
| Konstellation | Orientierung nach VMG |
|---|---|
| langdauernde floride Psychose | 50–100, abhängig vom Verlust beruflicher und sozialer Anpassungsfähigkeit |
| schizophrener Residualzustand ohne soziale Anpassungsschwierigkeiten | 10–20 |
| leichte soziale Anpassungsschwierigkeiten | 30–40 |
| mittlere soziale Anpassungsschwierigkeiten | 50–70 |
| schwere soziale Anpassungsschwierigkeiten | 80–100 |
Kernentscheidungen
| Datum | Gericht / Aktenzeichen | Bedeutung |
|---|---|---|
| 13.02.2025 | LSG Baden-Württemberg – L 6 SB 1545/23 | Paranoide Schizophrenie nicht im Vollbeweis; Diagnoseetikett allein genügt nicht. Selbst bei unterstelltem Residual begrenzte hohe Alltagsfunktionalität die Bewertung. |
| 17.06.2020 | LSG Baden-Württemberg – L 3 SB 13/20 | Verfahrens-/Zurückverweisungsentscheidung; keine eigenständige materielle Leitentscheidung zu Nr. 3.6. |
| 24.10.2018 | LSG Baden-Württemberg – L 3 SB 5/17 | Vor allem Gesamt-GdB-Dogmatik; keine zentrale 3.6-Leitentscheidung. |
| 07.12.2017 | LSG Baden-Württemberg – L 6 SB 4936/15 | Nr. 3.6 ist bei Gesundheitsstörungen ohne psychotische Symptome nicht eröffnet; bei längerem schwankendem Verlauf ist ein Durchschnittswert maßgeblich. |
| 22.06.2015 | BSG – B 9 SB 72/14 B | Nichtzulassungsbeschluss; keine materielle Bestätigung der Vorinstanz. |
| 02.07.2014 | LSG Nordrhein-Westfalen – L 10 SB 127/12 | Bipolar-affektive Erkrankung; hilfsweise Prüfung nach Nr. 3.6, aber keine tragende Gegenentscheidung zur späteren Linie L 6 SB 4936/15. |
| 28.07.2011 | Bayerisches LSG – L 15 SB 24/07 | Dysthymie/seelische Störung; eher Vergleich zu Nr. 3.7 und negative Indizien gegen höhere Bewertung. |
Redaktioneller Hinweis: B 9 SB 72/14 B wird nicht als „vom BSG bestätigte“ materielle 3.6-Rechtsprechung bezeichnet.
Praktische Prüffelder
Zu dokumentieren sind insbesondere psychotische Positivsymptome, Residualsymptome, Dauer und Häufigkeit der Phasen, Remissionen, stationäre Behandlungen, berufliche Einbindung, Tagesstruktur, soziale Beziehungen, Hilfebedarf und das Funktionsniveau zwischen den Episoden.